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Selbstversuch: Nur mit iPad in den Unterricht (1)

Ich habe heute einen Selbstversuch gestartet, wie es sich anfühlt, lediglich mit einem iPad „bekleidet“ in den Unterricht zu marschieren.

Zunächst habe ich meine gesamte Schultasche geleert um aufzuzeigen, was ich unter normalen Umständen alles in den Unterricht mitnehmen würde.

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Dazu zählten das iPad, eine Reihe an Schreibwerkzeug, 2 Schulbücher, Terminplaner, Notizbuch, Ordner mit Unterrichtsmaterial, Arbeitsblätter für die Schüler und natürlich die Tasche mit diversem Kleinkram.

Fakten rund um den Unterrichtstag:

  • 3 Unterrichtsstunden in 2 Klassen
  • Deutschunterricht und Religionsunterricht
  • Schülerzahl insgesamt: 31.
  • Themen: Literaturunterricht anhand des Romans „Tschick“ sowie die Unterrichtsreihe „Weltreligionen“.

Wie kam ich auf die Idee, den Unterricht in der laufenden Woche digital zu gestalten?

Im Rahmen des Projektes von Erasmus + „Changing paradigm“ steht das Thema „Smartlearning“ im Mittelpunkt. Damit wollen wir einerseits den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit bieten, ihren Lernweg multimedial zu gestalten und mit Hilfe tabletbasierter Werkzeuge schnell und einfach zum Ziel zu kommen. Dabei ist wichtig vorauszusetzen, dass man als Lehrer das Medium Tablet beherrscht und mit grundlegenden Apps, die man ggf. in den Unterricht einbringt, sicher im Umgang und Anwendung ist.

Darüber hinaus ist mir deutlich geworden, dass man immer viel zu viel in den Unterricht mitschleppt und trotzdem nicht alles dabei hat.

Welche Voraussetzungen müssen gegeben sein?

Eine Reihe von Vorarbeiten sollte man machen, damit man zu einer entspannten Arbeitsatmosphäre kommt:

  • Aufgeladenes iPad (die Variante ist egal, ich nutze ein iPad Air, 128 GB)
  • Aktuelle Apps: Evernote (Unterrichtsvorbereitung und Sammlung von Verlaufsplänen mit Verlinkungen zu den Dokumenten), Dropbox (dient als Materialspeicher für alle Unterlagen), TeacherTool (als Schülerverwaltung und Noten- und Klassenbuch), Foto-App (zum Abfotografieren der Unterrichtsergebnisse), Safari (als schnelles „Nachschlagewerk“), Goodreader, alternativ iAnnotate (zum Bearbeiten von pdf-Dokumenten mit Markierungen und Vermerken), iBooks (für den Literaturunterricht unerlässlich, mit Markierungs- und Notiztool), ownCloud (zum Verwalten der auf den Schüler-iPads entstandenen Ergebnissen), Mail-App auf dem iPad zum Abrufen der Arbeitsaufträge;
  • Schüler-iPads: Wir nutzen derzeit das iPad 2 mit der aktuellen iOS-Version und aktuellen Versionen der Apple-Apps Pages, Numbers und Keynote
  • (Für die weiteren Veranstaltungen der Klassen benötige ich außerdem Apple TV, einen Beamer und ggf. Boxen)

Chronologie des Unterrichtstages:

07:45 Uhr: Ich lege mein iPad mit einem Stift bereit, mit dem ich auf einem Tablet "schreiben" kann;
07:50 Uhr: Ich wundere mich, wie klein der Stapel doch ist, den ich mitnehmen will.
07:58 Uhr: Zweifle für einen Moment an meinem Vorhaben. Tröste mich mit den Worten: "Egal, wenn es schief geht, dann bist du eine Erfahrung reicher."
08:00 Uhr: Es klingelt. Ich nehme mein iPad und gehe los. Erwarte die Fragen der Kollegen: "Hast du etwa keinen Unterricht?" oder "Hast du nicht etwas vergessen?"
08:02 Uhr: Ankunft im Klassenraum. Erste Frage einer Schülerin: "Haben wir heute keinen Unterricht?" Wusste ich's doch...
08:03 Uhr: Begrüße die Klasse und checke die Anwesenheit mit dem TeacherTool. Läuft. Kündige an, mit einigen Schülern sprechen zu wollen. Meine vorbereitete Liste lässt sich direkt ohne zu haken aufrufen. Habe alles im Blick. Kläre die Klasse kurz über das Projekt auf. Los geht's.
08:05 Uhr: Lasse die iPads verteilen. Jeder Schüler ein iPad. Schüler sollen E-Mails abrufen: "Herr Meyer, Sie haben mir ja geschrieben." - Ach, nicht wahr... hat das tatsächlich geklappt. Teufelszeug diese iPads.
08:07 Uhr: Schüler sollen den Arbeitsauftrag lesen. Rückfragen gibt  es keine. Anscheinend hat jeder verstanden. Oder ist schon an irgendeiner App hängen geblieben.
08:08 Uhr: Arbeitsauftrag lautet: 'Lesen Sie den Drehbuchauszug aus dem Film "Welcome to the dollhouse". Vergleichen Sie die Situation der Dawn Wiener mit der von Maik Klingenberg. Beschreiben Sie die Sozialgefüge Familie und Schule und ziehen Sie ggf. Parallelen mit Hilfe des Textes.' Ein weiterer Auftrag: 'Versetzen Sie sich in die Situation von Dawn. Formulieren Sie einen inneren Monolog, der die Situation, in der sich Dawn im Hinblick auf Schule/Familie befindet, in den Blick nimmt. - Erklären Sie darüber hinaus, welche Merkmale ein innerer Monolog aufweisen muss.' Zeitrahmen: 50 Minuten.
08:11 Uhr: Durchatmen, die Technik läuft.
08:12 Uhr: Schülergespräche beginnen: Alles steht im iPad.
08:25 Uhr: Halte erste Beobachtungen zur Unterrichtsstunde fest. Meine Planung lässt sich modifizieren. Evernote speichert und synchronisiert.
08:35 Uhr: Ein Schüler hat Probleme, geeignete Textstellen zu finden. Ich weihe ihn in die Suchfunktion meines iPads ein. In iBooks lassen sich so bequem Textstellen finden.
08:39 Uhr: Eine Schülerin braucht einen Duden. Gut, dass ich so etwas auf meinem iPad habe.
08:41 Uhr: Ein Schüler ist verspätet und soll ins Selbstlernzentrum. Er beginnt eine Diskussion. Mit meinem iPad habe ich die Regeln aus dem Indoheft in Sekundenbruchteilen aufgerufen. Er fragt, wo die Schulsozialarbeiterin sitzt. Auf dem Gebäudeplan auf meinem iPad zeige ich ihm den Weg dorthin.
08:45 Uhr: Einer Schülerin fällt ein, dass Sie für zwei Tage beurlaubt werden muss. Sie hat den Antrag schon dabei. Ich scanne das Anschreiben mit Evernote ein. Das Blatt kann ich der Schülerin wieder mitgeben. Die Bestätigung der Beurlaubung schicke ich ihr per E-Mail.
08:50 Uhr: Weiter geht es. Erste Schüler sind fertig. Ich erkläre, wie man die Dokumente in die Cloud unserer Lernplattform lädt. Damit haben Schüler und Lehrer Zugriff auf die Dokumente.
09:00 Uhr: Die Arbeitszeit endet. Alle wurden fertig und ließen sich nicht ablenken.
09:02 Uhr: Partnerarbeit beginnt und damit die Überarbeitung der Monologe.
09:10 Uhr: Überarbeitete Dokumente werden hochgeladen.
09:12 Uhr: Wir hören uns 3 mögliche Versionen an. Es gibt etwas zu mäkeln. Wie schreibt man nochmal einen inneren Monolog?
09:13 Uhr: Zeit für eine Zusammenfassung. Beamer an. Ich tippe auf Zuruf mögliche Merkmale ein.
09:20 Uhr: Die Zeit wird knapp. Eine Struktur bekommen wir nicht mehr hin. Klappe das iPad zu. Am Mittwoch wird geclustert. Wir machen dort weiter, wo wir aufgehört haben.
09:25 Uhr: Beende den Unterricht, damit alle pünktlich zum Bus kommen, der sie zu Sport bringt.
09:27 Uhr: Nutze die Zeit, um meine Noten für die Stunde zu machen. Alles in TeacherTool gespeichert. Dabei fällt mir auf, dass Ivan (Name geändert) zwischen 4 und 5 steht. Setze mir eine Wiedervorlage für Mittwoch. das nächste Schülergespräch steht an.
09:30 Uhr: Ich gehe zurück zum Lehrerzimmer. Fühle mich erleichtert und generell leicht ohne die Tasche. Hatte ich wirklich Unterricht?
09:45 Uhr: Es klingelt. Und ich bin wieder nur mit iPad unterwegs. Trotze den Fragen. Es klappt ja.
09:48 Uhr: Ankunft am Klassenraum. Schüler machen sich über die iPads her. Die kennen das Prozedere schon. Jeder ruft sein Dokument auf und arbeitet an seiner Projektarbeit weiter. Es geht um Weltreligionen. Tolle Fotos, tolle Filmchen, tolle Präsentationen.
09:55 Uhr: Kollegin klopft. Eine verletzte Schülerin. Ich kümmere mich und tippe ein Kurzprotokoll in mein iPad. Man weiß ja nie was noch so kommt. Name, Klasse, Unfallhergang. Abgespeichert, und durch die Schlagworte wieder zu finden.
10:10 Uhr: Ich unterbreche die Arbeit. Hatte in der Zwischenzeit Anwesenheit gecheckt, Noten überblickt und zwei Schülerinnen beraten. Deren Präzis muss gut werden, sie sind zu still.
10:11 Uhr: Jede "Gruppe" präsentiert über den Beamer den Stand ihrer Arbeiten. Einige wollen/müssen noch aufpeppen. Kann ich verstehen. Bilder, Videos, Ton...
10:25 Uhr: Fahrplan für die nächsten Wochen wird festgelegt, halte alles fest. Schüler sichern ihre Daten. Ende der Stunde.

Fazit: Mein Rücken dankt es mir, dass ich heute so leicht unterwegs war. Zu Hause angekommen bin ich erleichtert und happy zugleich. Freue mich auf den nächsten Tag. Vorbereitung läuft. Morgen sind es 6 Stunden.

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